„Wir standen kurz vor der Trennung. Mein Mann glaubte
nicht mehr an eine Chance und weigerte sich zunächst
mitzugehen. Heute wissen wir wieder mehr übereinander
und finden dadurch zueinander.“

Die Aufmerksamkeit des Therapeuten in der systemischen Familientherapie richtet sich nicht speziell auf den Einzel-
nen, sondern sieht diesen immer im Zusammenhang mit seiner Familie und dessen Beziehungen. Anstatt nur den Klienten und seine Schwierigkeiten zu betrachten, werden die Familienangehörigen mit eingebunden.

Das „Ursache-Wirkung-Denken“ wird durch ein zirkuläres Denken ersetzt, d.h. es geht nicht um den Beginn einer Problematik, sondern darum, was erhält sie aufrecht und warum. Die Überzeugung ist, dass es mehr Sinn hat, mit der ganzen Familie zu arbeiten als mit einem Einzelnen, da die Problematik meist abhängig ist von der Wechselwirkung der Beziehungen innerhalb des Familiensystems.

Die Haltung des Therapeuten ist nicht mehr die des Fachmannes, der bestimmte Probleme diagnostiziert und löst, sondern er wird zum „Frager und Sucher“ mit vollem Interesse für die Wirklichkeit des Klienten.

Es wird versucht, das bestehende Familiensystem anzu-
regen
, zu erschüttern und auch aus dem Gleichgewicht
zu bringen, damit sich Veränderungen einstellen können. Denn die „Heilung“ entsteht in der Veränderung und Neuentwicklung der Kommunikations-  und Interaktions-
muster des (Familien-) Systems.